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Frank Hesse / Projekte / Ein Naturabguss zweier Riesenschlangen (2005)
Frank Hesse - Ein Naturabguss zweier Riesenschlangen
Dia-Installation mit vier Projektoren und digitaler Steuereinheit.
Loop, 5 Minuten.

Zwei Projektoren überblenden die Bilder, die beiden anderen den Text als Untertitel: Ein untertitelter Film ohne Originalton. Die Lüftung der Projektoren und das charakteristische Klacken beim Transport der Karusselle sind zu hören.

Flash-Dokumentation der Dia-Installation
[720x560, 5:30 min, 2 MB, Loop]  ...>


Die Geschichte des Tierbildhauers Josef Pallenberg, der Anfang des 20. Jahrhunderts als wissenschaftlich arbeitender Künstler gilt. Seine großer Respekt vor den geliebten Tieren drückt sich in einer immer präziser werdenden Darstellung aus. Dies führt ihn bald zum Verfahren des Abgusses und damit tragischerweise zu einer Arbeitspraxis, die wesentlich von toten Tieren profitiert. Pallenbergs Alltag wurde daher stark vom Umgang mit Kadavern und Aas bestimmt. Die Art der Erzählung (das Bildmaterial, die Zitate) weckt bei einer oberflächlichen Betrachtung den Anschein, dass es sich um das offizielle Protokoll eines erfolgreichen Lebens handelt, wie es etwa im Museum oder bei einer Joseph-Pallenberg-Gesellschaft zu sehen sein könnte. Bei einem genaueren Hinsehen wird allerdings deutlich, dass hier eher die Geschichte eines ruhmreichen Scheiterns erzählt wird.
Flash-Dokumentation der Dia-Installation
[720x560, 5:30 min, 2 MB, Loop]  ...>
Text der Untertitel ...>
Untertitel

Zur Ausstattung des Hauptportals hatte er Josef Pallenberg engagiert, der in den folgenden Jahren für den Tierpark ca. 50 Rekonstruktionen von Sauriern der Jura- und Kreidezeit in natürlicher Größe schuf. Pallenberg galt als wissenschaftlich arbeitender Künstler und war deshalb bei zoologischen Fachleuten besonders beliebt. Er war ein Mensch, der sich zeitlebens zu den Tieren hingezogen fühlte. Seine Liebe, sein Wissen und sein Respekt ließen nur die für ihn typische, außergewöhnlich präzise und detailierte Art der Darstellung zu. Meist zog er ihre Gesellschaft der menschlichen vor und verbrachte seine Zeit vor den Käfigen und Gehegen, um sie zu studieren und zu portraitieren. Er schuf nämlich niemals eine Tierplastik schlechthin, sondern alle seine Arbeiten sind exakte Abbildungen eines bestimmten Tieres. Seine Suche nach größtmöglicher Präzision führte ihn zur Abgusstechnik, die er über die Jahre immer weiter perfektionierte. Für diese Arbeit war er ständig auf der Suche nach toten Tieren, und wenn er hörte, dass in einem Zoo Tiere eingegangen waren, machte er sich schnell auf die Reise, um bald darauf mit säckeweise Kadavern in sein Atelier zurückzukehren und aus ihnen Plastiken zu schaffen, die er auf so wundersame Weise mit Leben zu füllen verstand. In den Jahren bei Hagenbecks Tierpark entstand ein Naturabguss zweier Riesenschlangen, die sich in der Nacht zum 25. bis 26. August 1909 aus Fressgier um den Kadaver eines Schwanes so ineinander verbissen, dass sie unfähig waren, sich wieder loszulassen. Bei dem Kampf wühlten sich die Schlangen in das Bassin ihres Behälters und ertranken. Jeder, der diese Bronzeplastik betrachtet, streicht mit der Hand über die verschlungenen Windungen. Ihre Oberfläche ist deshalb immer noch so blank wie vor hundert Jahren, als Carl Hagenbeck seinen Traum eines friedlichen Nebeneinanders unterschiedlichster Tierarten verwirklichte und den ersten neuzeitlichen Tiergarten gestaltete. Die Besucher sollten die Tiere von nun an nicht mehr in Käfigen, sondern in ihrem natürlichen Umfeld sehen, nur durch verdeckte Gräben von ihnen getrennt.