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Frank Hesse / Projekte / Kunst des Forschens (seit 2005)

Das Forschungsprojekt ist seit Oktober 2006 an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich angesiedelt, wird von der Kunstwissenschaftlerin Elke Bippus geleitet, und in künstlerischen Fragen von mir unterstützt. Der Fokus des Projekts liegt auf den kulturwissenschaftlichen Verfahrensweisen ähnlichen Methoden der Kunst als Techniken der Wissensbildung und –strukturierung. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, Kriterien für eine künstlerisch-wissenschaftliche Praxis zu entwickeln, die sich nicht die Beschränkungen der klassischen Aufteilung von Theorie und Praxis auferlegt, sondern erforscht, wie in beiden Feldern und an ihren Grenzen Wissen produziert wird


Projektbeschreibung

Kunst und Wissenschaft berühren sich auf dem Gebiet des Bildermachens als Wissensproduktion. Die kulturtheoretische Debatte des so genannten Pictorial beziehungsweise Iconic Turn hat zu einem Wechsel der Forschungsgegenstände und –perspektiven geführt. Unter der semiologisch-strukturalistischen Maxime stand bis in die 1980er Jahre hinein die Kultur der Zeichen und des Textes im Mittelpunkt, seither ist an Forschungsprojekten und Publikationen das erwachte Interesse an der bildlichen und visuellen Kultur ablesbar.

Die Visualität nimmt in der Geschichte des Denkens und für unsere Wissenspraktiken eine konstitutive Funktion ein und es steht außer Frage, dass die Versinnlichung unsichtbarer Prozesse und theoretischer Gegenstände Wissen hervorbringt. Allerdings hat die antivisuelle Rhetorik gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu der Vorstellung beigetragen, Aufklärung vollziehe sich nicht durch Bilder, sondern durch Worte und in einem fortlaufenden Text, der sich aus isolierbaren Tatsachen zusammensetzt.

Diese im Prinzip bildfeindliche Perspektive scheint sich zu verändern. Die konstitutive Funktion bildlicher Repräsentation wird beispielsweise im Kontext neuer bildgebender Verfahren in den Naturwissenschaften als wissenskonstitutiv diskutiert. Wissenschaftshistoriker/innen unterstreichen die performative Funktion von Bildern und problematisieren deren repräsentative Leistung: Wissenschaftliche Bilder sind Resultate komplexer Transformationsprozesse, in denen technisch erzeugte Ereignisse wie Messdaten, Aufzeichnungen von Signalen oder elektromagnetische Wellen in symbolische Darstellungen übersetzt werden. Ein wissenschaftliches Bild ist ein Modell, das nicht eindeutig durch das Objekt determiniert ist, das es scheinbar repräsentiert. Es verweist vielmehr auf einen „inneren transversalen Referenten“, auf weitere Darstellungen – Tabellen, Bilder, Kurven. Zudem liegt der darzustellende ‚Gegenstand‘ in vielen Fällen nicht einfach vor. Modelle dienen zur Begreifbarmachung des Objekts, und modellieren dabei dieses immer schon. Darstellungsmodelle sind konstitutiv für das, was gewusst werden kann, und sie sind kulturbildend, wie alle Forschungsprozesse.

Forschen hat mit Ungewissheiten zu tun, mit Suchprozessen und Kontingenzen, was nicht bedeutet, dass es methodenlos ist. Gegenstand der Untersuchung „Kunst des Forschens“ sind strukturelle Merkmale von Bildern und visuellen Darstellungen sowie Methoden und Techniken künstlerischer Produktion einerseits und die in der Kunst ausgebildeten Kohärenz und Legitimationsprinzipien andererseits.

Das Projekt „Kunst des Forschens“ versucht, künstlerische Verfahren und wissenschaftliche Methoden produktiv zu verklammern, um eine selbstreflexive Form kultureller Praxis zu etablieren. Im Zentrum des Projekts stehen ikonische Darstellungstechniken, die als wissensbildende und –strukturierende Verfahren analysiert werden, sowie Fragen der Visualisierung, und schließlich das Verhältnis von Erfahrung und Erkenntnis für die Konstitution von Wissen und seiner Vermittlung. Es geht aber auch um die Grenzen des Wissens. Angestrebt wird eine künstlerisch-wissenschaftliche Forschung, in der experimentelle Verfahren und ikonische Erkenntnismodelle wirksam sind. Das Interesse an bildkünstlerischen Verfahren zielt auf zweierlei: zum einen auf die Aspekte, die – gegenüber den lange Zeit gültigen Maximen sprachlich explizierter Wissensformen – Praxisformen stärken, welche historisch, kulturell und geschlechtlich bestimmte Kontexte, Kontingenzen, den Raum, zeitgeschichtliche Momente und das Subjekt mit einbeziehen. Zum anderen darauf, Wissen zu einem aktiven Denkprozess werden zu lassen.

Mit diesen beiden Schwerpunkten geht es um die Aktivierung einer Wissenskultur, in der Wissen stärker handlungs- und prozessorientiert erfahrbar wird, und hierarchische Ausdifferenzierungen, wie die zwischen Theorie und Praxis, aufgebrochen werden können. Die Wirkung von Kunst verläuft nicht allein in eine Richtung, sondern birgt das Potential einer Teilhabe und eines Austausches, sie vollzieht sich in Kategorien des Prozesses. Dazu tragen die zahlreichen Möglichkeiten von Ordnungs- und Interpretationsschemata ebenso bei, wie der Bruch mit überkommenen Sichtbarkeitsordnungen. Eine künstlerisch-wissenschaftliche Forschung verspricht darüber hinaus ein kritisches ikonisches Modell auszubilden, das die ikonische Sinnstiftung selbst offen legt.

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Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich  ...>