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Frank Hesse / Projekte / Was ist so komisch an Kant? (2011)
Frank Hesse - Was ist so komisch an Kant? Einladungkarte
»Was ist so komisch an Kant?« Einladungkarte, Perla-Mode, Zürich, 2011
Komikmodell; Holzkonstruktion, verschiedene Materialien; 70 x 70 x 240 cm
Laserkopien; 42 x 29,7 cm
Video, 5 Minuten; Kamera und Ton: Lena Huber; Musik: Uwe Schenk.

Das Lachen, so sagt der berühmte Philosoph Immanuel Kant in seiner „Kritik der Urteilskraft“, sei ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts. Der Künstler Frank Hesse, dessen künstlerische Praxis auf Recherchearbeit beruht, materialisiert die These Kants in der Ausstellung „Was ist so komisch an Kant?“ mit einer selbst gezimmerten Lachmaschine, einem Video sowie Auszügen aus Kants Text.
Frank Hesse - Was ist so komisch an Kant? Ausstellungsansicht
»Was ist so komisch an Kant?«, Komikmodell. Ausstellungsansicht Perla-Mode, Zürich, 2011
Frank Hesse - Was ist so komisch an Kant? Komikmodell
»Was ist so komisch an Kant?«, Komikmodell. Installationsansicht Perla-Mode, Zürich, 2011
Frank Hesse - Was ist so komisch an Kant? Ausstellungsansicht
»Was ist so komisch an Kant?«, Komikmodell. Ausstellungsansicht Perla-Mode, Zürich, 2011
Dabei reagiert Hesse auf eine Leerstelle in der Ästhetik: Denn am Kern des Lachens beissen sich Theoretiker bis heute die Zähne aus. Bei Komiktheorien interessiert insbesondere das Verhältnis von Betrachtung und Betrachtetem: Es gibt wohl nichts Unkomischeres als eine Theorie der Komik, die man als etwas Ähnliches wie die Erklärung eines Witzes ansehen kann. Hier unterscheidet sich eine Theorie so krass wie nur denkbar von der Praxis.
Beim Lesen von Kants Theorie erhält man zudem den Eindruck, dass diese auf eine seltsame Weise mechanisch geprägt ist, was Hesse dazu veranlasste, eine Holzkonstruktion nach dem Vorbild simpler Apparaturen, wie man sie in den Stummfilmen Buster Keatons findet, nachzubauen. Das Projekt „Was ist so komisch an Kant?“ ist aber auch eine erste Annäherung an das Verhältnis von Kunst und Komik, wobei der Künstler in einer Art doppelten Bewegung versucht, den toten Punkt der Theorie Kants auszuleuchten: Grundlage der künstlerischen Arbeit ist komiktheoretisches Material, das wiederum in einer komischen Weise interpretiert wird. Das wirft die Frage auf, welche Art von Erkenntnis in Kunst und Komik erzeugt wird. Falls man die unsentimentale Sicht teilt, dass die edelste Aufgabe der Kunst darin besteht, in einer Art Grundlagenforschung Sinnzusammenballungen und -brüche deutlich zu machen, ist es lohnenswert, sich mit der Komik zu beschäftigen. Des Weiteren spielt in beiden Feldern das Verhältnis von Normüberschreitungen und -bestätigungen eine wesentliche Rolle. Genug, um den Erkenntniswert von Komik zu untersuchen, und zu prüfen, ob sich die Ergebnisse auf das Feld der künstlerischen Forschung übertragen lassen.

Kunsthistorisch weist Frank Hesses künstlerische Arbeit einen starken Bezug zu den Theoremen der Konzeptkunst auf. Was bei den 60er-Jahre Konzepten noch auf eine Abstraktion von komplexen Sachverhalten abzielte, ist bei Hesse genau umgekehrt. Seine Arbeiten kommen im Ausstellungsraum beschwingt daher, entwerfen aber bei einem zweiten Lesevorgang komplexe Themenschichtungen, die aus seinen vertieften und sorgfältigen, zuweilen bis ins Detail versessenen Recherchevorhaben basieren.

Stephan Wagner zur Ausstellung »Was ist so komisch an Kant?«, Perla-Mode, Zürich, 2011